Wenn ick mal Tot bin
Krieg und Frieden 1618:1918

Bei ausverkauften Veranstaltungen können Sie sich gerne per Mail (welcome@kurt-weill.de) auf die Warteliste setzen lassen.

Was erwartet mich?

Pest und Plünderungen, Hunger und Heimatverlust: – die verheerenden Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges ließen das kulturelle Leben in Deutschland fast völlig verschwinden.

Heinrich Schütz, der vor 350 Jahren in Dresden starb, war mit 33 Jahren in der Blüte seines Lebens, als das erste Wetterleuchten des Krieges flackerte. Als in Münster und Osnabrück Frieden geschlossen wurde, war er 63. Schütz wich nach Venedig und Kopenhagen aus – sein Neffe Heinrich Albert versammelt derweil in Königsberg in seinem Kürbisgarten die „Gesellschaft der Sterblichkeitsbeflissenen“. Die dort entstandenen Lieder der „Musicalischen Kürbishütte“ zeugen von der seelischen Last dieser Zeiten: Traumatisierung ist kein modernes Phänomen. Komponisten wie Johann Franck und Johann Nauwach setzten gegen die Depression die vitale Kraft der Musik ein. Tanz und Vergnügen gegen die dunkle Macht des Elends und des Todes. Diese Zeit war auch eine Zeit des Genusses – und dauerte er auch nur einen Tag.

So spiegelt Musik die Zeit und ihre zerrissenen Gefühle wider. Auch in den turbulenten Jahren der Weimarer Republik. Ausgelassen und aufmüpfig feiert man sich und die glitzernde, hell erleuchtete, vergnügungssüchtige (Schein-)Welt, hinter deren durchtanzten Nächten der graue Morgen einer von braunen Hemden beschworenen „neuen Zeit“ dämmerte.

Friedrich Hollaender und viele andere sensible Künstler haben das Unbehagen gespürt. So mancher, unter ihnen auch Kurt Weill, haben es nicht glauben wollen, dass sich in einem modernen Deutschland solcher Ungeist durchsetzen könnte. Die Berliner lautten compagney spürt auf, wo sich der Zeitgeist im Abstand von 300 Jahren berührt: „Scheidt’sche Gaillarde und hollaendersches Couplet rücken sich unheimlich nah“, beobachtete „Die Welt“.

de_DEGerman