LAURA MARIA GÖRNER – LEITERIN DES FOTOWORKSHOPS „IN BEWEGUNG“

Im Gespräch mit Laura Maria Görner erfahren Sie mehr über unseren erstmals stattfindenden Fotoworkshop zum Kurt Weill Fest 2026. Was verbindet sie persönlich mit dem Motto, wie kann man Bewegung überhaupt in einem Bild festhalten und was erwartet die Besucher zur Vernissage am 28.02.2026?

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Laura Maria Görner

IM Gespräch

Interessant ist ja, dass das Motto eigentlich im Gegensatz zur Fotografie steht, da Fotoapparate Bewegung anhalten. Fotografie spielt mit der Zeit, setzt sie aus und macht sie in dem kleinen Raum „Foto“ sichtbar und nachvollziehbar. Ein Foto ermöglicht uns, etwas genauer betrachten zu können, dadurch zu erkennen oder Neues zu sehen. Fotografie forscht auch ein bisschen. Es ist eine Annäherung an ein Interessenfeld, ein sich weitender Blick in detaillierten Einblicken und Ausschnitten, der offenbart, was zuvor nicht sichtbar war. Ich glaube, dass unter diesem Motto jeder Tag etwas zum Fotografieren bietet, Fotos sind immer Aus- und Abdruck einer Zeit. Wichtig ist, dass jeder herausfindet, was ihn im Inneren gerade beschäftigt, antreibt und da wird dann angeknüpft. Es wird zeigen: nichts steht still – „panta rhei“, alles fließt und nichts bleibt, wie es gerade ist. Denn auch ein Foto wird schon in der nächsten Sekunde die Vergangenheit zeigen und der Zukunft entgegen schauen. Wir halten als Fotografen also etwas fest, das „in Bewegung“ ist, nämlich das Leben.

Veränderungen. Vor allem dafür stehen die zwei Worte „In Bewegung“ – eine Formulierung, die wie ein Sinnbild für unser Leben verstanden werden kann, wo die einzige Beständigkeit, die Unbeständigkeit ist. Schließlich bewegen wir uns alle jeden Moment, jeden Tag, unser gesamtes Leben in einem bewegten System. Alles ist immer in Bewegung. Ich verbinde das Motto aber auch mit Sehnsucht. Eine Bewegung hat immer einen Ausgangspunkt und benötigt ein Art Ziel, wodurch etwas seine Richtung findet. Ganz gleich, ob das Ziel erreicht wird, eine Sehnsucht, ein tiefer Wunsch, eine Vorstellung im tiefen Inneren treibt uns an, loszugehen und versetzt uns erst in Bewegung. Vielleicht ist ja der Wunsch nach Erfüllung der Sehnsucht, das Einzige, was der Mensch finden muss.

Ich würde weniger von inspirieren, als von antreiben sprechen. Es ist ein Gefühl. Ein aufblitzender Moment, der in mir etwas auslöst, den ich nicht immer bewusst verstehe, aber ergründen möchte. Fotografie ist wie automatisches Schreiben für mich, weil es immer etwas sichtbar macht und offenbart, was mir zuvor verborgen lag. Am liebsten ziehe ich erst mal los und fotografiere, was mir ins Auge fällt, ohne mich dabei zu sehr zu reglementieren. Dabei schreibe ich oft meine Gedanken auf, die mich in diesem Moment begleiteten. Meistens ziehen mich Sujets an, die aus dem gewohnten Blick und Alltäglichen rausfallen, die aber alltäglich sind, wie ein Bruch der Stille, ein Kontrast zum Bleibenden oder Bekannten. Das kann ein Riss in einer Hauswand oder ein Lichtfunke in einer blauen Glasscheibe sein. Vielleicht liegt meine Faszination in der Poesie solcher Zwischenmomente, wo die Zeit angehalten und etwas sichtbar und spürbar wird, was ich zuvor nicht wahrnehmen konnte.

Es ist weniger eine Erwartung, mehr ein Wunsch, Menschen zu begegnen, die einfach Freude dabei empfinden mit der Kamera etwas festzuhalten. Und dabei ist mir ganz egal, ob sie bewusst auf die Suche nach Motiven gehen, noch viel ausprobieren oder impulsartig, spontan etwas festhalten. Ich freue mich darauf, die individuellen Perspektiven und fotografischen Ansätze zu sehen. Das ist immer total spannend, wie jeder fotografiert. Dabei gibt es ja kein Falsch oder Richtig, sondern nur ein „was und wie“. Für mich ist es jedes Mal besonders und bereichernd meine Erfahrungen bzw. Ansichten zu teilen und den Teilnehmenden das Potenzial der Fotografie näher zu bringen. Im besten Fall schaffe ich es Neugier zu wecken, gedankliche Grenzen oder fotografische Klischees zu lösen und Richtungen zu stärken.

Mir liegt es am Herzen vor allem das Wahrnehmen zu schulen und die Sinne zu öffnen, für das, was einen umgibt. Neben einem kleinen Abriss zur Fotogeschichte, um das Kernwesen der Fotografie zu verstehen, und Beispielen von anderen Fotografen, werde ich fotografische Praxisübungen einbauen, in denen neue Ansätze ausprobiert und entdeckt werden, wir aber auch jeweils herausfinden können, was einen überhaupt anzieht. Am Ende geht ja alles von unserer Wahrnehmung aus. Erst dann wird wichtig zu verstehen, wie wir dabei Ausschnitt, Anschnitt, Licht und Perspektive einsetzen und wie sich dadurch die Aussage des Bildes verändert. Mein Ziel ist es Grundlagen zu schaffen, auf dessen Basis die Teilnehmenden dann selbstständig losziehen, entdecken und ihre eigene Sicht bzw. Geschichte erzählen können.

Jeder Blick ist es Wert gesehen zu werden. Freunde oder Besucher in meinen fotografischen Führungen im Kunstpalast Düsseldorf sagen manchmal zu mir: „Aber du bist ja hier die Fotografin, ich kann das nicht. Ich mach das nur so hobbymäßig.“ Das ist Quatsch, jeder kann fotografieren. Natürlich eröffnen technische Kenntnisse und regelmäßige Praxis Möglichkeiten, aber gute Fotografie verlangt viel mehr ein Gespür für den Moment, ein waches Auge und ein suchendes Gemüt. Es geht nicht immer um das perfekte, klare, scharfe High-Quality-Foto, sondern um Authentizität. Wie sehe ich, was empfinde ich und wie kann ich das widerspiegeln?

Wenn wir Fotografien begegnen, sollten wir vielleicht verstehen, dass sie nicht DIE EINE Wahrheit, sondern immer einen subjektiven Ausschnitt und Abdruck dieser Welt abbilden.

Lust auf mehr bekommen?

Bis zum 12.12.2025 können Sie sich noch als TeilnehmerIn für den Fotoworkshop bewerben.

Weitere Informationen finden Sie hier

HINWEIS!

Wir befinden uns derzeit in der Weihnachtspause. Wir sind ab dem 07.01.2025 wieder wie gewohnt für Sie da.

Sie können uns gerne eine E-Mail an welcome@kurt-weill.de senden. Wir werden sie nach unserer Rückkehr beantworten.

Tickets erhalten Sie bei uns auf der Website im Ticketshop.

Wir wünschen Ihnen erholsame Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr!

Ihr Team vom Kurt Weill Fest